Biomassen - CAEB INTERNATIONAL DE

Suche
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Biomassen

 

Aufsammeln und Pressen von Gehölz- und Baumschnitt zur Energiegewinnung
Dr. Carlo Bisaglia - CRA-ING - Forschungslabor Treviglio (prov. Bergamo, Italien)

Jährlich fallen in Italien beim Schnitt der wichtigsten Dauerkulturen (Weinrebe, Olivenbaum, Obstanlagen) erhebliche Mengen an Abfällen (verholzte Ruten, Baumschnitt usw.) an, und zwar je nach lokalen Bedingungen 1 bis 3 t/ha.

Tab. 1 Geschätzte Quantität von Schnittabfällen für die verschiedene Baumsorte

 
 

Baumsorte

Schnittabfälle (t/ha)

Weinrebe

2,9

Olivenbaum

1,7

Apfelbaum

2,4

Bimbaum

2,0

Pfirsichbaum

2,9

Zitrusfrüchtebäume

1,8

Mandelbaum

1,7

Hazelnussstrauch

2,8

 
 

Rechnet man diesen Wert auf die gesamte Anbaufläche dieser Kulturen in Italien hoch, so ergibt sich eine Gesamtmenge an Schnittabfällen von 2 - 6 Millionen Tonnen/Jahr.

Üblicherweise werden diese Abfälle an Ort und Stelle gehäckselt und am Boden liegen gelassen oder - falls bestimmte Schädlinge bekämpft werden müssen - eingesammelt und vernichtet. Diese Arbeiten sind für den Landwirt einen Kostenfaktor (von geschätzt 60 - 140 €/ha), da er dafür Zeit aufwenden muss und entsprechende Geräte benötigt.

Eine Alternative wäre die Nutzung des Energiegehalts des Reb- und Obstbaumschnitts. Wenn wir dessen Energiewert mit dem Energiegehalt beispielsweise von Heizöl vergleichen, ergibt sich für die Schnittabfälle ein geschätztes Energiepotenzial von fast 1,3 Milliarden Litern Heizöl. Damit könnten ca. 600.000 Wohnungen beheizt werden.

Man sieht sofort, dass die Nutzung von Schnittabfällen zur Energiegewinnung eine interessante Möglichkeit darstellt. Diese ist umso konkreter, wenn man die wachsende Zahl der am Markt angebotenen Heizsysteme betrachtet, die aus Holzabfällen Wärme bzw. in den großen Fernwärmeanlagen auch Strom erzeugen.

Für den landwirtschaftlichen Betrieb bietet sich damit eine einmalige Gelegenheit, die allerdings mit Sachverstand genutzt werden muss, da es sich um die Verwertung von Abfällen handelt. Diese haben zwar ein interessantes Energiepotenzial, jedoch ansonsten in der Regel nur mittelmäßige Eigenschaften (geringer Verholzungsgrad, Vorhandensein von Rinde und anderen Verunreinigungen, hoher Feuchtegehalt, variable Zusammensetzung usw.). Ein Schlüssel zur erfolgreichen Verwertung von Schnittabfällen ist die Mechanisierung der Verarbeitungskette, die gute technische Ergebnisse bei niedrigen Kosten liefern muss. Ein entscheidender Faktor ist in diesem Zusammenhang die Fähigkeit, durch eng gepflanzte Reihenkulturen oder unter den Spanndrähten von Vorhängen bzw.  Lauben-Rebanlagen zu fahren sowie an schmalen Vorgewenden, am Hang und sogar auf Terrassenanlagen wenden zu können.
Um den Transport und die Lagerung der Schnittabfälle bis zu ihrer Nutzung zu erleichtern, muss deren Volumen wirkungsvoll reduziert werden.

Ferner sind Bedingungen anzustreben, die eine Trocknung fördern und damit die Konservierung des Materials begünstigen, Gärungsvorgänge unterdrücken und dessen energetischen Wirkungsgrad steigern.

Ein mittlerweile am Markt angebotener Lösungsansatz sieht dazu das Pressen der Schnittabfälle vor Ort vor. Diese Technik eignet sich sehr gut für dünnstängelige Schnittabfälle bis maximal 4 cm Dicke, die sich im Allgemeinen schlecht und nur mit hohem Arbeitsaufwand handhaben lassen. Inzwischen werden auch Mini-Rundballenpressen angeboten, die ohne Schwierigkeiten sehr enge Gassen durchfahren und von Traktoren geringerer Leistung (im Allgemeinen 30 - 40 kW) angetrieben werden.

Vor allem kleine Rundballenpressen (für Ballen mit 40 cm Durchmesser und 25 - 30 kg Gewicht) sind eine interessante Option, da sie gute Flächenleistungen (0,5 - 0,6 ha/h, also ca. 45 - 50 gepresste Ballen pro Stunde) erreichen und dank ihrer effizienten Mechanik sowie der gestreckten Anordnung hinter dem Traktor einen niedrigen Leistungsbedarf haben. Mit ihnen sind sehr geringe Gesamtbreiten möglich, dies gilt vor allem für den Einsatz von Spezialtraktoren mit Spurbreiten unter 1,15 m. Die Flächenleistung dieser Pressen lässt sich nahezu verdoppeln (auf 1,0 - 1,2 ha/h), wenn sie mit Zusatzausrüstungen für das Sammeln von bis zu 8 Rundballen ausgestattet werden. Damit lässt sich das Pressgut in bis zu 240 m langen Gassen aufsammeln, ohne einzelne Ballen ablegen zu müssen. Am Vorgewende werden die Ballen dann als Stapel deponiert, wo sie einfacher und schneller auf einen Anhänger aufgeladen werden können.

Ferner ermöglichen die Rundballen eine gute Ausdunstung der Feuchte aus dem Schnittmaterial an die Umgebungsluft, was eine Trocknung begünstigt und Fermentierungen oder Schimmelbildung verhindert.
Die zu Ballen gepressten Schnittabfälle können dann in speziellen, schon am Markt erhältlichen Heizkesseln verfeuert, für den Einsatz in Hackschnitzelheizungen zersägt oder sogar gehäckselt werden, um auch die Vorteile einer automatischen Beschickung zu nutzen.

Das neue Umweltbewusstsein, die Notwendigkeit, den CO2-Ausstoß zu begrenzen, sowie eine allgemeine Verunsicherung angesichts der abnehmenden Verfügbarkeit herkömmlicher Energieträger und deren Preisentwicklung sind ohne Zweifel gute Gründe, um jede mögliche Nutzung erneuerbarer Energien in Betracht zu ziehen.


 
 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü